Geschichte

Pauline Schwarzkopf wurde am 22. April 1908 im badischen Mannheim als Kind der Eheleute Auguste und Friedrich Weinmann geboren. Ihre ältere Schwester Elsbeth war bereits am 24. Dezember 1906 zur Welt gekommen. Es begann ein langes Leben, das 97 Jahre, bis zum 25. Dezember 2005 währte.

Das Kaiserreich und der Erste Weltkrieg wurden zu einem Teil der Kindheit von Pauline Schwarzkopf. Als Mädchen und junge Frau erlebte sie Aufstieg und Fall der Weimarer Republik.
Nach dem frühen Tod des Vaters in den dreißiger Jahren zog sie mit ihrer Mutter nach Berlin, wo sie die Zeit des Nationalsozialismus und das Kriegsende in Berlin erlebte.

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Pauline Schwarzkopf (rechts) und Gerhard Merzyn (damaliger Direktor des Haus Rissen, mitte) im Gespräch mit einem Gast

Sie war Zeitzeugin der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, der Teilung Berlins und Deutschlands. Gegen Ende ihres Lebens, ab 1990, erlebte sie ihr fünftes Deutschland.

Mit 49 Jahren heiratete sie 1957 den Unternehmer Heinz Schwarzkopf. 13 glückliche Jahre waren beiden vergönnt, bis Heinz Schwarzkopf 1969 durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben kam.
In Erinnerung an ihren Mann gründete Pauline Schwarzkopf 1971 in Hamburg die überparteiliche „Heinz-Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa“. Sie gab der Stiftung die Aufgabe, den europäischen Einigungs- und Friedensgedanken unter jungen Menschen zu verbreiten.

Die Stiftung war zunächst beim „Internationalen Institut für Politik und Wirtschaft Haus Rissen“ in Hamburg angesiedelt und wechselte 1991 ihren Sitz zur Europa-Union Hamburg. Im Juli 2000 bezog die Stiftung ein festes Domizil in der Sophienstraße in Berlin-Mitte mit eigenen Seminar- und Vortragsräumen.

Pauline Schwarzkopf widmete sich ihrer Stiftung bis ins hohe Alter mit enormem persönlichem Einsatz. Ein einiges Europa war für sie die zentrale Lehre aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts, dem „Zeitalter der Extreme“.

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Von links nach rechts: Ilka Keuper (Geschäftsführerin der Schwarzkopf-Stiftung), Martin Hutsebaut (Europäischer Gewerkschaftsbund), Pauline Schwarzkopf.

In den 1970er und 1980er Jahren nahm sie an nahezu allen politischen Seminaren der Stiftung teil und begleitete fast jede Studienreise durch Europa. Sie besuchte mit Jugendlichen die europäischen Institutionen in Brüssel, Straßburg und Luxemburg. Als erste überparteiliche Organisation fuhr die Stiftung Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts trotz des Eisernen Vorhangs mit Jugendlichen zu europapolitischen Begegnungen nach Polen und in die DDR.

Pauline Schwarzkopf prägte die Stiftung und ihre Arbeit durch ihre emotionale, wertorientierte Persönlichkeit und ihren ausgeprägten Sinn für soziale Gerechtigkeit. Ihr Herz schlug stets für die vom Leben und der Gesellschaft Benachteiligten. Das Christentum war ihr ein lebendiges Zuhause.

Freunde*innen der Familie, Pauline Schwarzkopf sowie Angehörige berichteten, dass es Heinz Schwarzkopf in seinem beruflichen und privaten Schaffen sehr am Herzen lag, Lehren aus dem 2. Weltkrieg und dem Nationalsozialismus für die Zukunft Europas zu ziehen. Sein besonderes Interesse galt dabei den Jugendlichen aus allen sozialen Schichten und Ländern. Er setzte sich dafür auf vielfältige Weise ein und engagierte sich beispielhaft in zahlreichen sozialen und kirchlichen Ehrenämtern: Er war Vorstand im Arbeitgeberverband Hamburg, im Arbeitskreis Bibermühle (für Freiheit und Menschenwürde in Unternehmen), Gründungsmitglied der Rotarier in Hamburg Dammtor, Kuratoriumsmitglied des Deutschen Roten Kreuzes, eines Studentenwohnheims, des Albert-Schweitzer-Hospitals in Peru, Laienrichter und Unterstützer der „Offensive Junger Christen“.

Ein anlässlich des 100. Geburtstages der Stifterin 2008 in Auftrag gegebenes historisches Gutachten über das Leben und Wirken von Heinz Schwarzkopf offenbarte uns jedoch neue Erkenntnisse über sein Leben: Heinz Schwarzkopf, geboren 1909, trat am 30. April 1933 der NSDAP bei. Ebenfalls wurde er Mitglied der SA und stellte am 1. Juli 1935 einen Antrag zur Aufnahme in die SS. Am 17.2.1938 wurde er schließlich in die SS aufgenommen. Dort gehörte Heinz Schwarzkopf der 7. SS-Reiterstandarte an. Nach Studienabschluss 1934 arbeitete er als Gerichtsassessor und promovierte an der Universität München zum Thema „Treue und Gemeinschaftsgedanken in den Arbeitsverhältnissen des Mittelalters“.
Im August 1939 wurde er zum 203. Infanterieregiment der 76. Infanteriedivision eingezogen und nahm an den Eroberungsfeldzügen gegen Frankreich und die Sowjetunion teil. Im Sommer 1942 wurde Heinz Schwarzkopf schwer verwundet und für den Rest des Krieges mit Schreibarbeiten im Heeresarchiv in Potsdam beschäftigt.

In der Stiftung setzte daraufhin ein Diskussionsprozess ein, bei dem es um die Frage ging, ob die ursprüngliche Namensgebung Heinz-Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa noch tragbar sei. Einerseits gab es dabei Stimmen, die zu bedenken gaben, dass das Leben von Heinz Schwarzkopf symbolhaft für die Deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts stehe. Unter Beleuchtung des Names und bei vollständiger Transparenz der historischen Fakten in der Öffentlichkeit sei mit Bezug auf diese Geschichte erst recht dem Auftrag der Stiftung, europäische Friedensarbeit zu leisten, nachzukommen.

Andererseits legte die ursprüngliche Benennung der Stiftung nach Heinz Schwarzkopf einen Vorbildcharakter seiner Person nahe, der aufgrund der Forschungsergebnisse nicht mehr gegeben war. Der Stiftungsvorstand hat deshalb Ende 2008 beschlossen, den Namen der Stiftung in „Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa“ zu ändern und die Arbeit der Stiftung der Gründerin Pauline Schwarzkopf zu widmen. Eine beabsichtigte Umbenennung in „Pauline-Schwarzkopf-Stiftung“ war nicht möglich, da die Stifterin zu Lebzeiten eine namentliche Nennung ausdrücklich abgelehnt hatte. Die Satzung der Stiftung wurde zudem explizit um das Ziel der Bekämpfung von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus erweitert.

Diese Namensänderung kann kein abschließendes Urteil der Nachgeborenen über den Lebensweg eines Mannes bedeuten, welcher noch bis 1969 währte.

Vor dem Hintergrund der Lebensgeschichte ihres ursprünglichen Namensgebers, sieht sich die Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa umso mehr dazu verpflichtet, junge Menschen in Europa darin zu fördern, zu politisch bewussten und verantwortungsbereiten Persönlichkeiten heranzuwachsen, den Gedanken der gesamteuropäischen Völkerverständigung zu stärken und Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen.

Wir sehen – ganz im Sinne der Stifterin Pauline Schwarzkopf – in der europäischen Idee die zukunftweisende politische Vision, um unsere gemeinsame europäische Zukunft in einer globalisierten Welt friedlich zu gestalten.

Leitung der Schwarzkopf-Stiftung

Seit ihre Gründung im Jahr 1971 wurde das Büro der Schwarzkopf-Stiftung von Ilka Keuper, Kitty Köster und Philipp Scharf geleitet. Mehr Informationen über das aktuelle Stiftungsteam unter der Leitung von Anne Rolvering finden Sie hier.