Deeyah Khan ist Schwarzkopf-Europa Preisträgerin 2020

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Mit dem Schwarzkopf-Europa Preis zeichnet die Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa jedes Jahr öffentliche Personen oder Institutionen aus, die sich mit besonders großem Engagement für ein solidarisches Europa einsetzen. Die diesjährige Preisträgerin Deeyah Khan arbeitet als Filmemacherin für die Sichtbarkeit von marginalisierten Menschen und setzt sich für den Dialog verschiedener Communities ein.

 

„When I was a child, I knew that I had superpowers”, so Deeyah Khan darüber, wie es für sie als Kind war, in zwei Kulturen aufzuwachsen. 1977 in Norwegen als Tochter paschtunisch-pakistanischer Eltern geboren, startete sie sehr früh eine Karriere als Musikerin in der nordindischen Musikrichtung Khyal und hatte mit 13 Jahren bereits Ihren ersten Plattenvertrag. Sehr bald musste sie jedoch lernen, dass die Herkunft ihrer Eltern, aber auch ihr Frau-Sein nicht für alle eine „superpower“ darstellte. Rassistische und mysogyne Übergriffe, verbaler und körperlicher Art, gehörten seit frühester Kindheit zu ihrem Alltag. Anstatt sich vom Hass und der Gewalt mundtot machen zu lassen, setzt sie ihre Superkräfte, die sie seit der Kindheit hat nun als Erwachsene dafür ein, Jugendlichen wie sie selbst eine war, Hoffnung zu geben.

In ihren Filmen zeigt Deeyah Khan die Ursprünge fundamentalistischer Gewalt auf, konfrontiert sich dabei selbst mit Djihadist*innen, Rechtsextremist*innen und Gewalttäter*innen – und sie mit ihrer Person. „Am I your enemy?“ fragt sie beispielsweise einen rechtsextremen Interviewpartner. Das beeindruckende an Khans Filmen ist, dass den Extremist*innen, obwohl sie im Mittelpunkt stehen, weder eine Bühne für Propaganda geboten wird, noch werden sie als Monster verteufelt. Im Mittelpunkt steht immer ein Mensch, die Geschichte seiner Radikalisierung, manchmal auch der spätere Umgang mit den eigenen Gewalttaten und der Weg heraus aus der radikalen Bewegung.

„I did not chose destruction. I chose to pick up a camera instead of a gun, and the reason I did that is because of my superpower. I could see that understanding is the answer instead of violence. Seeing human beings with all their virtues and all their flaws, instead of continuing the cartoons: The „us“ and „them“, the „villains“ and „victims“. […] I stopped feeling like I had to pick a side.“

Khaan zeigt dadurch, dass sie Gewalttäter*innen durch einfache Fragen ins Straucheln bringt, wie fragil fundamentalistische Ideologien sind und wo unsere Gesellschaft im Kampf gegen Gewalt und Radikalisierung bei jungen Menschen ansetzen muss.

Ihr feministisches Engagement zeigt sich auch im von ihr gegründeten Magazin „Sister-Hood“, das jungen, muslimischen Künstler*innen eine Plattform bietet.

Für ihr Engagement für mehr Sichtbarkeit von Erfahrungen von Minderheiten in Europa und ihren Einsatz für mehr Verständnis in einem pluralistischen Europa erhält Deeyah Khan 2020 den Schwarzkopf-Europa Preis.

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