Unser Hoffest 2026: Ein Rückblick

Die Baumkronen in Berlin werden lichter, die Blätter fallen zunehmend, und auch wenn die Sonne sich weiterhin zeigt, kündigen der kalte Wind und die Übergangsjacke an der Garderobe das Ende des Sommers an. Für uns als Stiftung war es ein guter Sommer; viele spannende Veranstaltungen, reichlich gute Gespräche, aber vor allem ein Hoffest, das uns noch drei Monate später Energie für den Herbstkalender gibt.

Nach den Sternen zu greifen, wäre an diesem milden, sonnigen Junitag vielleicht ein bisschen zu viel des Guten und wohl auch eine Spur zu bemüht gewesen. Immerhin konnten wir aber über Sterne laufen, dank des Sternengangs, der sich durch die Eingangshalle zog. Die liebevoll ausgeschnittenen, an den Rändern leicht ausgefransten, stechend gelben Sterne führten, über den blauen Laufteppich verteilt, durch das offen stehende braune Holztor an der Sophienstraße hinein in den Hinterhof der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, wo bereits ein reges Gewusel herrschte.

Ein Mann, vermutlich zuständig für die Technik und mit Kabeln behangen, lief von rechts nach links, mal verschwand er hinter der großen Bühne, mal trug er ein Keyboard hinüber, aus dem wenig später Musik erschallen sollte. Er schwitzte, war rot im Gesicht und grinste trotzdem jeden Menschen an, der ihn ansprach. Es war also ein guter Tag, oder zumindest versprach es, einer zu werden, und vermutlich wusste das auch jeder, der an diesem Nachmittag das Hoffest aufbaute.

Am 18. Juni 2026 war es also soweit, wir feierten 55 Jahre Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa. Das bedeutet 55 Jahre Netzwerke, 55 Jahre junges Engagement, 55 Jahre, in denen progressive Gedanken und Ideen zusammengebracht wurden. Das ist etwas sehr Gutes und gleichzeitig ist es nicht immer einfach, den Elan, den ein solches Engagement braucht, über all diese Jahre aufrechtzuerhalten.

Manchmal braucht es dafür ein wenig Motivation, die in unterschiedlichsten Farben und Formen auftreten kann. Manchmal sind es nur ein paar Kugeln saures Heidelbeereis, einige Drinks, eine zischend kalte Cola mit Freund:innen und lieben Menschen und einem netten Plausch im Schatten, der gerade noch so viel Sonne durchlässt, dass sie an diesem Junitag auch die Haut ein wenig erreicht.

Das Hoffest diente deshalb nicht nur der Sichtbarkeit und auch nicht nur dem Netzwerken. Es sollte eine kleine Oase im Hinterhof sein, mit ein bisschen Musik, ein bisschen Raum und einem kurzen Moment des Innehaltens, der daran erinnert, warum man all das tut. Es ging um Solidarität, ein wenig Halt, Zwischenmenschlichkeit und Aufrichtigkeit, darum, dem einen oder anderen Menschen ein Lächeln zu schenken und doppelt so vielen anderen lächelnden Gesichtern gegenüberzustehen. Es ging um eine positive Energie, die man mit nach Hause nimmt, die man aber auch in dunklere und schwierigere Zeiten hinüberretten und an der man sich immer wieder ein wenig festhalten kann. Denn auch das, und vielleicht gerade das, brauchen wir.

Es war früher Nachmittag und vereinzelte Nachzügler*innen traten in den Hof, als Esra Küçük, Vorstandsvorsitzende der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa, mit einem ansteckenden Lächeln auf die Bühne kam. Sie sprach über Orte der Begegnung, im symbolischen Sinne, und eröffnete zugleich mit ihren Worten einen solchen erfahrbaren Ort der Begegnung; an diesem Nachmittag auf diesem Hof in Berlin-Mitte.

Ab 15 Uhr startete dann endlich der „Markt der Möglichkeiten“, an dem die Besucher:innen die Projekte, Jugendnetzwerke und Partnerorganisationen der Stiftung kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen konnten. Seit 55 Jahren, sagt Geschäftsführerin Dr. Seyran Bostancı lächelnd ins Mikro, schaffen wir Räume, in denen junge Menschen Europa mitdenken, mitdiskutieren und mitgestalten können. „Dieses Jubiläum ist nicht nur ein Moment des Rückblicks, sondern auch einer, in dem wir uns gemeinsam die Frage stellten, wie junge Perspektiven Europas Zukunft weiterhin prägen können”.

Sie blickt in die applaudierende Menge und winkt ihre Kolleg*innen zu sich. In einem europablauen Sommerkleid steht sie zwischen ihnen, während das Gruppenfoto geschossen wird. Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, dass die promovierte Soziologin die Geschäftsführung der Stiftung übernommen hat, und doch hat sich bereits vieles verändert. Die Stiftung ist noch ein wenig jünger, noch ein wenig dynamischer geworden, und mit vielversprechenden Projekten entstehen neue, kreative Räume, in denen Intersektionalität und demokratische Strukturen nicht getrennt voneinander gedacht werden.

Was es heißt, Europa jung zu denken und seine Zukunft nicht nur zu erhoffen, sollte sich wenig später auf derselben Bühne zeigen, als Israe Aiach die Auszeichnung als „Young European of the Year 2026“ erhielt. Aus Belgien war sie angereist, um an diesem Tag gemeinsam mit Freund*innen, Unterstützer*innen und Interessierten der Schwarzkopf-Stiftung junges Engagement und Zukunftsvisionen zu feiern. Sie wurde als eine jener jungen Stimmen gewürdigt, die sich für all das einsetzen, wofür Europa stehen sollte: ein friedliches, vielfältiges und inklusives Miteinander.

Auch das Bühnenprogramm trug jene hoffnungsvolle und visionäre Tonalität, die sich durch den ganzen Tag zog. Annette Schavan sprach in ihrer Keynote mit fester Stimme und frohem Ton über die ernste Situation, in der wir uns gegenwärtig immer wieder erleben, darüber, dass Menschen unterschiedlichster Hintergründe zu Europa gehören, dass Europäer:in auch ist, wer sich als solche:r fühlt, und dass wir nicht darüber diskutieren sollten, wer nicht dazugehört, sondern darüber, wie wir unseren Zusammenhalt stärken können. Luisa Neubauer richtete den Blick nach vorn, nicht auf ein bloßes Hoffen auf morgen, sondern auf das Anpacken, auf jene Hands-on-Mentalität, die sie als langjährige Verfechterin des Klimaschutzes und der sozialen Gerechtigkeit selbst verkörpert. Dr. Stephan Muschick, Geschäftsführer der E.ON Foundation, sprach über wirtschaftliche Potenziale, gesellschaftliche Verantwortung und die Zukunftsvisionen junger, engagierter Menschen.

Zum Glück wird es im Juni erst spät dunkel, sodass die Sonne noch schien, als gegen 18 Uhr die große Sahnetorte mit dem Logo der Schwarzkopf-Stiftung Richtung Bühne getragen wurde und das gemeinsame Anstoßen beginnen konnte. Rundherum wurde gelacht und fotografiert, Menschen liefen hin und her, auf den Tischen standen leere und halb leere Gläser und Flaschen, irgendwo blieben geschmolzene Eisflecken zurück. Als sich das Fest gegen 19 Uhr langsam dem Ende neigte, mit glücklichen Menschen und gefüllten Bäuchen, wusste man, dass dieser Tag etwas gewesen war, das wirklich gebraucht wurde, das wir alle gebraucht hatten.

Denn solche Tage fließen nicht einfach so in unsere Zeit, unsere Kalender und unsere Hände. Sie können uns sehr schnell davonrinnen, wenn wir sie nicht festhalten. Natürlich sollte kein Mensch sich gute Tage erst verdienen müssen. Und doch brauchen sie, damals wie heute, eine solide Basis. Diese Basis besteht aus Gerechtigkeit, aus einem Blick und einem Empfinden für sie und aus dem Bestreben, sie in allen Lebenslagen und angesichts aller gesellschaftlichen Herausforderungen zu schützen.

Sie besteht in der Gewissheit, dass jeder Mensch willkommen ist, dass kein Mensch mehr wert ist als ein anderer und dass kein Mensch entbehrlich ist. Eine demokratische Gesellschaft ohne Menschenfeindlichkeit, Hass und Hetze ist leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Sie darf aber auch niemals nur ein Wunsch und eine Hoffnung sein.

So ging es an diesem Tag, bei diesem Hoffest, nicht nur darum, große Reden zu hören, bekannte Gesichter zu sehen oder prominente Namen zu begrüßen. Natürlich ehrt all das die Stiftung, und die Zeit, die sich Menschen freischaufeln, um zu kommen, ist wertvoll. Aber viel wichtiger ist das, was bleibt, wenn sich die Holztüren wieder schließen: das Gefühl, aus einem Tag, der ein beliebiger hätte sein können, einen inspirierenden gemacht zu haben

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