Die ausgezeichneten Projekte 2026
Am 6. Juli 2026 wurde der Inge-Deutschkron-Preis zum zweiten Mal im Max-Liebermann-Haus in Berlin verliehen. Vier Projekte wurden für ihre kreativen Ansätze in der Erinnerungsarbeit und ihren Beitrag zu einer lebendigen Erinnerungskultur ausgezeichnet. Die Preise überreichten Petra Pau, ehemalige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, und André Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Inge Deutschkron Stiftung.
„Am schlimmsten ist das Schweigen – Der neue Rattenfänger von Hameln“ – Grundschule an der Alten Feuerwache
22 Schülerinnen und Schüler der Klasse 4c übertragen die Geschichte des Rattenfängers von Hameln in die Zeit des Nationalsozialismus. In einem eigenen Theaterstück setzen sie sich damit auseinander, wie Menschen verführt, ausgegrenzt und zum Schweigen gebracht werden. Dabei nähern sie sich auch der Lebensgeschichte von Inge Deutschkron. Durch Schauspiel, Gespräche und gemeinsames Nachdenken werden Empathie, Mut und die Bedeutung des Eintretens für andere erfahrbar. Das Stück wurde gemeinsam mit dem FEZ Berlin entwickelt, wird dort aufgeführt und filmisch dokumentiert.
Auszeichnung des Projekts: Am schlimmsten ist das Schweigen – Der neue Rattenfänger von Hameln | Foto: Stefanie Loos
„Tag der Erinnerung“ – Max-von-Laue-Schule
Beim „Tag der Erinnerung“ setzen sich die Schülerinnen und Schüler des gesamten 9. Jahrgangs mit der Geschichte des Nationalsozialismus direkt vor Ort auseinander. Eine Klasse erarbeitet dazu Vorträge zu historischen Orten in Lichterfelde-West und Dahlem, die mit der NS-Zeit und dem Holocaust in Verbindung stehen, und führt die Mitschüler:innen auf einer eigens entwickelten Route durch den Stadtteil. Themen sind unter anderem die „Rassenforschung” von Robert Ritter, die Forschung des Kaiser-Wilhelm-Instituts und der kirchliche Widerstand. Ergänzt wird der Aktionstag durch eine Lesung, eine Ausstellung und selbst gestaltete Plakate, die die Ergebnisse in der Schule präsentieren.
Auszeichnung des Projekts: Tag der Erinnerung | Foto: Stefanie Loos
„Das Denk-Stein-Projekt“ – Löcknitz-Grundschule“
Die Klassen 6a und 6b der Löcknitz-Grundschule führen ein seit mehr als 30 Jahren bestehendes Erinnerungsprojekt fort, das an die deportierten und ermordeten jüdischen Nachbar:innen aus dem Bayerischen Viertel erinnert. Die Schüler:innen recherchieren die Lebensgeschichten hinter den bestehenden Denk-Steinen, restaurieren diese und gestalten neue Steine für das Denkmal auf dem Schulhof. Eine Homepage, eine Plakatausstellung und ein Konzert im Rahmen des Projekts „Lebensmelodien” machen die Ergebnisse auch über die Schule hinaus zugänglich. In Zusammenarbeit mit Gedenkstätten, Museen und weiteren Partner:innen entsteht so eine lebendige Verbindung zwischen lokaler Geschichte, persönlicher Erinnerung und dem heutigen Schulalltag.
Auszeichnung des Projekts: Das Denk-Stein-Projekt | Foto: Stefanie Loos
„Audioguide durch das Jüdische Scheunenviertel von Berlin“ – Ernst-Reuter-Schule
14 Schüler:innen des Geschichts-Leistungskurses der Ernst-Reuter-Schule haben sich auf die Spuren jüdischen Lebens im Berliner Scheunenviertel begeben. Ausgehend von der historischen Bedeutung des Viertels recherchierten sie ehemalige Orte jüdischen Lebens, erkundeten diese vor Ort und entwickelten daraus einen selbst organisierten Audioguide. So wird die Geschichte des Viertels im heutigen Stadtbild hörbar und zugänglich gemacht. Gleichzeitig setzt das Projekt ein Zeichen gegen das Vergessen und aktuellen Antisemitismus.
Auszeichnung des Projekts: Audioguide durch das Jüdische Scheunenviertel von Berlin | Foto: Stefanie Loos