10 Jahre junge Perspektiven auf die deutsche Islam-Debatte: Die Junge Islam Konferenz wird 10 Jahre alt

Berlin, 25.10.2021 – Die Junge Islam Konferenz (JIK) feiert zehnjähriges Bestehen. Als herkunfts- und religionsübergreifendes Dialogforum für junge Menschen greift die JIK seit ihrer Gründung Debatten rund um Islam und Muslim*innen auf, thematisiert grundlegende Fragen einer vielfältigen Gesellschaft und ist öffentlicher Impulsgeber in diesen Diskursen. Heute kommen aus diesem Anlass u.a. die ehemalige Projektleiterin Esra Küçük und die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Naika Foroutan mit dem jungen Netzwerk im Heimathafen Neukölln zusammen, um über die Zukunft der postmigrantischen Gesellschaft zu sprechen.

Im Jahr nach dem Erscheinen von Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“, das versuchte, eine offen islamfeindliche Stimmung in der öffentlichen Debatte in Deutschland zu verankern, kamen erstmals junge Menschen aus ganz Deutschland zusammen, um ein Gegennarrativ zu entwerfen: bei der Jungen Islam Konferenz, initiiert von der Humboldt-Universität zu Berlin und der Stiftung Mercator. Die JIK vertritt seitdem das Credo „Haltung statt Herkunft“. Dahinter steht die Grundhaltung, dass pluralistische Lebenswelten als positive Realität wahrgenommen und als Normalität gelebt werden. Bis dato hatte es in Deutschland kein herkunfts- und religionsübergreifendes Forum für junge Menschen gegeben, in dem sie über Islam- und Muslimbilder in der Gesellschaft reflektieren und diskutieren konnten.

„In einer post-migrantischen Gesellschaft geht es vor allem um die Anerkennung von marginalisierten Gruppen als gleichberechtigte Akteure und um die Aushandlung von Teilhabemöglichkeiten in allen zentralen Positionen und an allen zentralen Gütern und Ressourcen. Diese Forderungen immer wieder aufrechtzuhalten und stetig auf ihre Umsetzung zu drängen, ist Aufgabe einer postmigrantischen Generation“, so die Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Naika Foroutan, Direktorin des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung, die mit ihrer Forschungsgruppe JUNITED die JIK in ihren ersten Jahren wissenschaftlich begleitete.

Für die Leitung der Jungen Islam Konferenz Dr. Asmaa Soliman ist die postmigrantische Generation ebenfalls ein zentraler Akteur in einer zukunftsfähigen Gesellschaft: „Auch wenn zehn Jahre seit der Gründung der JIK postmigrantische Stimmen lauter geworden sind, brauchen sie weiterhin mehr Raum und Anerkennung. Junge Menschen verschiedenster Hintergründe und Biografien gestalten Kultur, engagieren sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und sind elementarer Bestandteil unseres Zusammenlebens. Das macht uns als Postmigrationsgesellschaft aus, dessen Mehrwert nicht verhandelbar ist“, sagt Soliman.

Auch junge Vertreter*innen des Netzwerks der JIK wollen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen. „Es ist wichtig einander zuzuhören und Akzeptanz für etwas aufzubauen, mit dem man zuvor nicht in Berührung gekommen ist,“ sagt Zöhre Yari, die Teil des JIK Gremiums ist. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Wandel, den wir als postmigrantische Generation bereit sind, mitzugestalten. Wir sehen uns als Brückenbauer*innen, die den Weg hin zu einer inklusiveren Gesellschaft ebnen – auch als künftige Entscheidungsträger*innen“, so Yari weiter.

Auf der heutigen Jubiläumsfeier wollen wir gemeinsam mit unserem jungen Netzwerk und Gästen aus Politik, Medien, Wissenschaft und Zivilgesellschaft darauf schauen, wie sich der Islamdiskurs in Deutschland in den letzten zehn Jahren verändert hat. Welche Rolle spielt die JIK heute im Diskurs, warum sind junge, postmigrantische Stimmen in der Debatte so entscheidend und wie sieht die Zukunft der (Post-) Migrationsgesellschaft Deutschland aus? In diesem Zusammenhang wollen wir auch unsere neue Publikation „Kritik und Visionen einer postmigrantischen Gesellschaft“ präsentieren, die im Kontext des JIK Netzwerks entstanden ist.

Weitere Podiumsgäste sind die Geschäftsführerin der Allianz Kulturstiftung und Projektinitiatorin Esra Küçük, der Sozialpädagoge Dr. Constantin Wagner von der Universität Mainz und die Casting Direktorin und Drehbuchautorin Raquel Kishori Dukpa.

Die Jubiläumsfeier findet heute von 18.00 – 22.00 Uhr im Heimathafen Neukölln in Berlin als hybride Veranstaltung statt und wird per Livestream ab 18.45 Uhr übertragen. Sie können den Livestream hier verfolgen.

Über die Junge Islam Konferenz: Die Junge Islam Konferenz (JIK) ist ein Dialogforum und Empowermentraum für junge Menschen, die sich mit Fragen des konstruktiven und gleichberechtigten Zusammenlebens in der Migrationsgesellschaft auseinandersetzen. Die JIK behandelt Themen wie Pluralität und Zugehörigkeit, leistet Bildungsarbeit und ermöglicht Perspektivwechsel zwischen jungen Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Erfahrungen. Durch Veranstaltungen und eine aktive Netzwerkarbeit schafft sie Begegnungsmöglichkeiten, baut Vorurteile ab und stärkt junge Menschen, sich für eine offene und vielfältige Gesellschaft einzusetzen und diese aktiv mitzugestalten.

Die Junge Islam Konferenz wurde 2011 in Berlin als Projekt der Humboldt-Universität und der Stiftung Mercator gegründet. Seit Oktober 2019 ist die JIK als Programmbereich Teil der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa. Die JIK wird gefördert von der Bundeszentrale für Politische Bildung, der Stiftung Mercator und im Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Junge Islam Konferenz
Theresa Singer | Kommunikation
presse@j-i-k.de
Sophienstraße 28/29 | D- 10178 Berlin
T 030 72 62 195 61 | mobil: 015906373879
www.junge-islam-konferenz.de